5. Entwässern für Pergamenthaut

Entscheidend für eine papierdünne Haut ist das Verhältnis der beiden Mineralstoffe Kalium und Natrium im Körper, die für die Regulation des Wasserhaushalts verantwortlich sind. Während Natrium das Wasser unter der Haut speichert, ist Kalium für die Flüssigkeit in der Muskulatur zuständig. Beide Mineralstoffe befinden sich in unserem Körper in einem Gleichgewicht. Ziel ist es nun, dieses so zu beeinflussen, daß der Körper das Wasser unter der Haut ausscheidet, jenes in der Muskulatur aber zurückbehält. Hierfür muss der Natriumspiegel reduziert und der Kaliumspiegel gesteigert werden, was allerdings nur kurzfristig möglich ist, da der Körper bereits nach kurzer Zeit beginnt mit Aldosteron gegenzusteuern.
Erreicht wird die Manipulation des Wasserhaushalts auf einfache, aber effektive Art und Weise. Wie weiter oben bereits beschreiben, sollte der Athlet etwa 2 Wochen vor dem Wettkampf beginnen seine Wasserzufuhr nochmals auf bis zu acht Liter täglich zu erhöhen. Wer besonders effektiv entwässern möchte, der setzt bei der Zufuhr überwiegend auf grünen oder Brennesseltee, welche eine leicht diuretische Wirkung haben. Durch die viele Flüssigkeit gewöhnen sich die Nieren an eine vermehrte Ausscheidung und arbeiten mit annähernder Vollauslastung. Gleichzeitig wird weiterhin kräftig gesalzen, um den Körper daran zu gewöhnen, reichlich mit Natrium versorgt zu werden. Da ein Ungleichgewicht wie beschrieben nur kurzzeitig auftritt, bewirkt eine eine dauerhaft hohe Natriumzufuhr auch zu einer erhöhten Natriumausscheidung.
Zusätzlich wird die Kaliumzufuhr gesteigert um den Gehalt in der Muskulatur für das spätere Entwässern zu erhöhen, sowie dem Verlust durch die vermehrte Ausscheidung entgegen zu wirken.

Die erhöhte Wasserzufuhr endet mit dem letzten Entladetag. Am vorletzten Tag vor dem Wettkampf wird auf 2l, am Vorwettkampftag auf nur noch 1l reduziert. Einige Athleten machen leider immer noch den Fehler und stellen ihre Flüssigkeitszufuhr völlig ein, was aber ein effektives Aufladen mit Kohlenhydraten verhindert. Da Glykogen in der Muskulatur als Wasserverbindung gespeichert wird, ist eine Grundversorgung mit Flüssigkeit hierfür zwingend notwendig. 1g Kohlenhydrate bindet etwa 2,7g Wasser.
Wegen der nur noch geringen Wasserzufuhr bekommen viele Athleten an diesen Tagen Durst. Kaugummi kann hier helfen, genau wie das Ausspülen des Mundes mit Wasser. Gerne wird auch auf einer Zitronenscheibe gelutscht. Wirklich helfen würde gegen den Durst aber nur eines: Trinken. Hier gilt es durchzuhalten.
Gleichzeitig mit der Wasser- wird auch die Natriumzufuhr gestoppt, indem nicht mehr gesalzen wird. Nachdem der Körper aber die Tage vorher darauf trainiert wurde, möglichst viel Flüssigkeit und Natrium auszuscheiden, führt er weiterhin vermehrt beides über die Nieren ab wodurch der Flüssigkeitsfilm unter der Haut langsam schwindet. Um die Verschiebung des Mineralstoffhaushalts noch etwas zu verstärken, können in der zulässigen Wassermenge an den zwei Tagen vor dem Wettkampf zusätzlich noch Kaliumtabletten aufgelöst werden. Die Gesamtzufuhr an Kalium sollte bei ca. 6000mg liegen.


Abb.: Beispiel für eine Vorwettkampfwoche (2000 Kcal Eiweißtage, 3000 Kcal Ladetage, 80kg Körpergewicht):
Wochentag Nahrungsmittel Flüssigkeit Mineralstoffe
Montag Eiweißtag Nr. 1
1200g Putenbrust
200g Reis
8 Liter Kalium, Magnesium, Zink, Salz
Dienstag Eiweißtag Nr. 2
wie Tag 1
8 Liter Kalium, Magnesium, Zink, Salz
Mittwoch Eiweißtag Nr. 3
wie Tag 1
8 Liter Kalium, Magnesium, Zink, Salz
Donnerstag Ladetag Nr. 1
300g Pute
650g Reis
600g Ananas
2 Liter Kalium, Magnesium, Zink
kein Salz mehr
Freitag Ladetag Nr. 2
300g Pute
650g Reis
600g Ananas
1 Liter Kalium, Magnesium, Zink
kein Salz mehr
Samstag
(Wettkampf)
moderat weiteressen wie am 2. Ladetag Ca. 0,5l Kalium, Magnesium, Zink
kein Salz mehr

War die Strategie der letzten Tage erfolgreich, so sollte der Athlet am Wettkampftag über eine volle, pralle Muskulatur bei gleichzeitig minimaler Wasserspeicherung unter der Haut verfügen. Jetzt muss nur noch das Gesamtpaket bis zum Auftritt konserviert werden. Die Flüssigkeitszufuhr sollte dafür wie am Tag zuvor nur noch schluckweise erfolgen. Gleichzeitig wird die Zufuhr von Kohlenhydraten weitergeführt, um durch den laufenden Energieverbrauch die Muskulatur nicht wieder zu entleeren. Auch am Wettkampftag geschieht dies durch den konstanten Konsum einer Kohlenhydratquelle nach Wahl, idealerweise der gleichen wie an den Ladetagen.
Als letzten Schliff kann etwa 2 Stunden vor dem Auftritt noch eine Bullrichsalztablette genommen werden, was zu einer vermehrten Vaskulosität führen kann. Auch etwas Tee mit Rum zum Aufwärmen kann die Adern weiten und so das Gesamtbild noch perfektionieren. Hier hat aber wohl jeder Wettkämpfer sein eigenes Geheimrezept.


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